Ich hatte es aufgegeben, nach ihr zu suchen. Ich hatte nicht sie aufgegeben, meine Gefühle, was uns verband. Aber ich war nicht mehr von der Idee besessen, herauszufinden, wer sie war.
Vor circa zehn Jahren bin ich schon einmal in einer Bibliothek gewesen. Ich habe sämtliche Bände mit Biografien gewälzt, die ich finden konnte. Stunden-, tagelang. Aus der Antike und dem Mittelalter, aus jedem Jahrhundert. Es hat mich Wochen gekostet, doch sie war nicht dabei. Ich bin sicher, es musste sie irgendwo geben. Irgendwo außerhalb meiner Zeit. Sie ist ein Geist. Zwar ein Geist aus Fleisch und Blut, aber ein Geist. Irgendwo und irgendwann musste sie schon einmal gelebt haben.
Ich habe noch keinen Namen für meine Hauptfigur im "Rosenkavalier". Vielleicht fällt euch ja was ein?
Es handelt sich um einen Thriller, SIE ist Journalistin bei einem lokalen Käseblatt, Anfang 30, Single, Scheidungskind.
Ich stelle mit einen klassischen, zeitlosen, aber nicht abgelutschten deutschen Namen vor. Er sollte nach Möglichkeit nicht "romantisch / süß" klingen, wenn ihr wisst, was ich meine...
Hilfe!?
Es war so ein kleiner Laden, der von Hochzeitsbildern, Passfotos und Halbakten von Teenagern lebte, die sich bei „Germanys Next Topmodel“ oder dem "Playboy" bewerben wollten. Die jungen Dinger schauten mich lasziv aus dem Schaufenster an und ich wünschte mir, mein Oberschenkelumfang wäre auch nur annähernd so schmal wie ihrer.
Der Fotograf, Franz Sperber, war ein schmieriger kleiner Mann, dem ich nicht einmal meine nackte Schulter gezeigt hätte...
Am Wochenende saß ich in einem Flugzeug, bei dessen Landung die Passagiere geklatscht haben. GEKLATSCHT! Welch Anachronismus, ich wähnte mich im falschen Film.
Bis zum: "Meine Damen und Herren, herzlich Willkommen in A..." des Kaptains. Man klatschte gleich noch mal.
WeltZeitreise.
Ich war nicht auf dem Weg nach Mallorca.
Sein Name ist nicht wirklich Marcus. Wie die meisten Heimkinder hatte er einen peinlichen Namen – so was wie Britney-Lynn oder Kevin-Maurice. Es ist ein merkwürdiges Phänomen, aber nicht eines der Kids, die Marcus mir von Zeit zu Zeit vorstellt, hat einen normalen Namen. Oder auch nur einen Namen ohne Bindestrich. Im Büro läuft eine Langzeitwette. Jeder hatte einen Zehner gesetzt auf ziemlich fiese Varianten von Unterschicht-Vornamen. Doch weder Annerose, die in der Redaktion für die Lohnabrechnung zuständig ist und deshalb Bescheid weiß, was in Marcus’ Pass steht, noch er selbst, hatten jemals damit rausgerückt. Mir ist es egal. Ich bin froh, dass ich ihn nicht mit perversen Popstars Bezeichnungen ansprechen muss, die auf der Zunge einen Geschmack nach Maracuja-Limetten-Parfait hinterlassen.
Sie versucht flach zu atmen. Langsamer und durch die Nase. Die Dornen haben ihre Wangen aufgeschlitzt, die Zunge und den Gaumen. Deshalb muss sie durch die Nase atmen. Langsam, ohne zu schlucken. Den Rest der Blumen hat er auf das geklebt, was von ihrem Gesicht noch übrig ist. Ein Blütenblatt nach dem anderen. Erst die Stirn, dann Nase und Kinn. Sie hat versucht, nicht zu schreien, als die Heißklebepistole ihre Haut berührte. Schreien mag er nicht, das hat er sie deutlich wissen lassen in den letzten Tagen. Aber die Töne kamen von ganz allein aus ihrem Mund.
Die Holzbohlen der Brücke sind noch warm, als er sie in den Fluss rollt. Erst ganz zum Schluss, als sie schon fast den Grund erreicht hat, gibt sie auf. Sie sieht wie seine Spucke auf die Wasseroberfläche trifft und hört auf sich zu wehren und zu beten, dass ihre Mama kommen möge, um sie nach Hause zu holen.
An
Schwer
Mut
Mut
Maßlich
Ver
Reckt
Recken
Köpfe
Schau
Lustig
In den
Abend
Nach
Richten
Wird
Nie
Wer
Sah
Neu
Gier
Mutmaßliches
Motiv
Was würdest du tun, hättest du nur vier Minuten mit einem geliebten Menschen?
Vier Minuten. Kein Ankommen, kein danach, nur reine Existenz.
Du könntest reden. Sie könnte reden. Eine Schachfigur in einem endlosen Spiel setzen. Ihre roten Locken zwischen deinen Fingern drehen. Sex haben. Wenn auch keinen guten, aber immerhin. Du könntest sie einfach ansehen und der glücklichste Mensch sein.
Ich habe mit Kára immer nur...
Ich spreche keine Fremdsprachen. Mein englisch reicht gerade einmal dazu, meinen Namen zu sagen und ein Bier zu bestellen. Das kann ich noch in sieben weiteren Sprachen, obwohl für mich schon eine Zugfahrt nach München einer Weltreise nahe kommt.
Ich bin nie länger von zu Hause weg als notwendig, weil ich Kára nicht verpassen will. Wer weiß, wie oft sie schon allein in meiner Wohnung auf mich gewartet hat. Oder zumindest allein in meiner Wohnung gewesen ist...